Wer Ware per LKW versendet, muss sich früher oder später entscheiden: Stückgut, Teilladung oder Komplettladung? Die Begriffe sind in der Branche verbreitet, ihre Grenzen aber nicht genormt. Dieser Ratgeber erklärt die drei Versandarten, nennt typische Größenordnungen und zeigt, wie Lademeter und Gewicht den Preis beeinflussen.
Stückgut (Sammelgut)
Stückgut sind einzelne, meist palettierte Packstücke, die zusammen mit Sendungen anderer Kunden transportiert werden. Der typische Ablauf im Stückgutnetz:
- Abholung beim Absender im Nahverkehr
- Umschlag im Depot der Spedition
- Hauptlauf über Nacht zum Empfangsdepot, oft über ein Hub
- Zustellung beim Empfänger im Nahverkehr
Typische Größenordnung: einzelne Packstücke bis wenige Paletten, häufig bis etwa 2,5 bis 3 Tonnen. Die genauen Grenzen legt jede Spedition beziehungsweise jede Kooperation fest.
Vorteile: günstig für kleine Mengen, flächendeckendes Netz, planbare Laufzeiten. Nachteile: mehrfaches Umladen erhöht das Schadensrisiko, feste Abhol- und Zustellfenster, Zuschläge für Sperrgut oder Sonderformate.
Teilladung
Eine Teilladung belegt einen Teil eines LKW, wird aber meist ohne Umschlag direkt vom Absender zum Empfänger gefahren. Den restlichen Laderaum nutzt die Spedition für andere Teilladungen auf derselben oder einer ähnlichen Route.
Typische Größenordnung: von einigen Lademetern beziehungsweise ab etwa 2,5 bis 3 Tonnen bis zu einem großen Teil des Fahrzeugs. Viele Speditionen sprechen bis rund 10 bis 12 Lademeter oder bis rund 10 bis 15 Tonnen von einer Teilladung. Auch hier gibt es keine einheitliche Grenze.
Vorteile: kein Umschlag, kürzere Laufzeit, weniger Schadensrisiko. Nachteile: Preis abhängig von der Auslastung der Route, Zustellzeit hängt von den anderen Ladestellen ab.
Komplettladung
Bei der Komplettladung mietet der Kunde den gesamten LKW, typischerweise einen Sattelzug mit 13,6 Lademetern und rund 24 Tonnen Nutzlast. Das Fahrzeug fährt direkt und exklusiv zum Empfänger.
Vorteile: schnellste und direkteste Variante, volle Planungshoheit über Ladezeiten, kein fremdes Gut an Bord. Nachteile: Der volle Preis fällt auch dann an, wenn der LKW nicht ganz ausgelastet ist.
FTL und LTL
Im internationalen Sprachgebrauch und in Frachtbörsen begegnen Ihnen die englischen Begriffe:
- FTL – Full Truck Load: Komplettladung
- LTL – Less than Truck Load: alles darunter, also Stückgut und Teilladungen
Manche Anbieter unterscheiden zusätzlich zwischen „LTL“ für Stückgut und „PTL“ (Partial Truck Load) für Teilladungen.
Übersicht
| Merkmal | Stückgut | Teilladung | Komplettladung |
|---|---|---|---|
| Typische Menge | einzelne bis wenige Paletten | einige ldm bis großer Teil des LKW | ganzer LKW (13,6 ldm) |
| Umschlag | ja, über Depots | meist nein | nein |
| Laufzeit | je nach Relation oft 1–3 Werktage | abhängig von Route | direkt |
| Preisbasis | Gewicht, Lademeter, Palettenstellplätze | Lademeter oder Gewicht | Pauschale je Fahrt |
Die Werte sind Orientierungen. Maßgeblich sind die Bedingungen Ihrer Spedition.
Wie Lademeter und Gewicht den Preis bestimmen
Im Stückgut und in der Teilladung wird oft nach dem frachtpflichtigen Gewicht abgerechnet. Das ist der höhere Wert aus tatsächlichem Gewicht und Lademetern multipliziert mit einem tarifabhängigen Faktor, häufig 1.500 bis 2.000 kg je Lademeter.
Beispiel: 8 Europaletten belegen 3,2 ldm und wiegen zusammen 2.000 kg. Bei 1.850 kg je Lademeter ergibt sich ein Lademetergewicht von 5.920 kg. Abgerechnet wird nach 5.920 kg – fast das Dreifache des echten Gewichts. Bei leichter Ware lohnt sich daher der Vergleich mit einer Teilladung zum Festpreis. Den Hintergrund erklärt Lademeter in kg umrechnen.
Ab wann lohnt sich eine Komplettladung?
Eine pauschale Grenze gibt es nicht. Als Faustregel gilt: Je näher die Sendung an die Kapazität eines Sattelzugs heranreicht, desto eher lohnt sich der exklusive LKW. Holen Sie bei Sendungen ab etwa der Hälfte eines Sattelzugs Angebote für Teil- und Komplettladung ein und vergleichen Sie Preis, Laufzeit und Risiko. Den genauen Bedarf an Lademetern und Gewicht ermitteln Sie mit dem LKW-Beladungsrechner.
Beispiel: drei Sendungen, drei Versandarten
| Sendung | Lademeter | Gewicht | Naheliegende Versandart |
|---|---|---|---|
| 2 Europaletten Ersatzteile | 0,8 | 600 kg | Stückgut |
| 14 Europaletten Möbel | 5,6 | 3.500 kg | Teilladung |
| 33 Europaletten Getränke | 13,2 | ca. 23 t | Komplettladung |
Die Zuordnung ist eine Orientierung. Bei der mittleren Sendung kann je nach Relation und Termindruck auch Stückgut oder eine Komplettladung wirtschaftlich sein. Holen Sie im Zweifel mehrere Angebote ein.
Checkliste: Welche Versandart passt?
- Menge ermitteln: Wie viele Lademeter und wie viel Gewicht hat die Sendung? Nutzen Sie den Lademeter-Rechner.
- Zeitbedarf klären: Muss die Ware zu einem festen Termin ankommen?
- Empfindlichkeit prüfen: Verträgt die Ware mehrfaches Umladen?
- Stapelbarkeit angeben: Stapelbare Ware senkt die Lademeter (siehe Stapelfaktor).
- Angebote vergleichen: Bei Grenzfällen sowohl Stückgut- als auch Teilladungspreise anfragen.
- Ladestellen beachten: Hat der Empfänger eine Rampe, oder ist ein Fahrzeug mit Hebebühne nötig?
Typische Zusatzkosten
Neben dem Grundpreis fallen je nach Versandart oft Zuschläge an. Häufige Beispiele:
- Avis: telefonische Ankündigung der Zustellung
- Hebebühne: wenn der Empfänger keine Rampe hat
- Terminzustellung: Zustellung zu einem festen Zeitpunkt
- Sperrgut: für überlange oder nicht stapelbare Packstücke
- Gefahrgut: für Sendungen nach ADR
- Maut- und Energiezuschläge: je nach Tarif als Pauschale oder Prozentsatz
Bei Stückgut summieren sich solche Zuschläge schnell. Vergleichen Sie deshalb immer den Gesamtpreis und nicht nur den Grundtarif.
Fazit
Stückgut eignet sich für kleine Mengen, Teilladungen für mittlere Sendungen ohne Umschlag, Komplettladungen für volle oder zeitkritische Transporte. Die Grenzen sind fließend und werden von jeder Spedition selbst gezogen. Wer seine Lademeter und Gewichte kennt, kann Angebote sachlich vergleichen und die günstigste passende Variante wählen.